Mittwoch, 21. Dezember 2016
Name
Eben ist mir eingefallen, warum ich hier nicht mehr schreiben mag. Es hat nichts mit mangelnder Lust, Zeit, Themen (schon garnicht!) zu tun, sondern hängt am Namen. Ich habe mir den Namen berenike vor vielen Jahren, als ich anfing in Internet unter einem Pseudonym zu schreiben, ganz spontan zugelegt. Er ist geliehen von einer nahen Verwandten und ich fand und finde immernoch diesen Namen einfach schön. Ich hatte sogar kurzzeitig überlegt, mein kleines Mädchen so zu nennen und es dann zum Glück doch nicht getan.
Diese Verwandte ist eine meiner Schwestern. Wir standen uns nie besonders nahe, sie ist hochgradig narzistisch und über ihr (durchaus schönes!) Äußeres definiert und ihre Spezialität ist boshafte Zickigkeit. Trotzdem liebe ich sie, sie ist halt meine Schwester und ich wünsche ihr wirklich von ganzem Herzen Freunde, eine Beziehung und das dafür nötige Erwachsenwerden.
Unser Verhältnis war schon immer leicht angespannt. Seit eineinhalb Jahren ist kaum noch normaler Kontakt möglich.
Ich möchte diesen Namen hier nicht mehr tragen und dies eigentlich schon recht lange. Nur scheute ich den Aufwand einer Namensänderung, was mir einer Identitätsänderung gleichkommt - sicher zum gewissen Grad auch ist, oder besser gesagt, einer Identitätsangleichung.
Zum ersten Schritt bin ich bereit, der zweite wäre einen passenden neuen Namen zu finden. Meinen eigentlichen Vornamen möchte ich nicht nehmen, da er ähnlich selten und ich somit leicht identifizierbar bin

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Mittwoch, 16. November 2016
Unruhe
Die Entscheidung ist gefallen und so langsam tröpfeln die ganzen Konsequenzen bei mir rein: Umzug ca. 400 km weiter nördlich; entweder recht schnell oder innerhalb eines Jahres. Das Meer in der Nähe. Die Berge werden mir fehlen. Ich schreibe an der Bewerbung und habe Angst davor, vor dem gesehen werden.
Mir schwirrt der Kopf, weil ich gleichzeitig andere Entscheidungen treffen möchte: Fortbildung mit recht hohem Zeitaufwand. Erstmal nur die eine, oder gleich diesen Schein noch dazu? Die Fahrten würden alle länger werden, mein altes Autochen signalisiert, dass ihm das schnell zuviel werden könnte. Die gelegentlichen Fahrten zum Tänzer, öfter kommt er ja gerade zu mir, die monatlichen Fahrten zur Familienaufstellungsgruppe und hin und wieder mal hier- und dorthin. Schön und gut, aber mehr schafft er nicht. Was sagt der Kater? Was mache ich mit den Bienen. Alles soll mitkommen, das kleine Mädchen natürlich auch und hier begegne ich meiner Hauptangst. Wie soll das gehen mit dem verrückten Radfahrer? Ich versuche alleine für alles Lösungen zu finden und ermahne mich gleichzeitig, dass ich nicht immernoch die Verantwortung für ihn übernehmen kann. Ja, aber für die Kleine, die in den letzten Monaten so erschreckend groß geworden ist! Nehme ich ihr dadurch den Papa weg?
Gehe ich in die falsche Richtung oder die richtige? Anders, dient sie mir oder eher nicht? Ist die Bequemlichkeit, hier zu bleiben in meinem kleinen Paradies förderlich für mich oder hinderlich für mein Wachstum?
Klar sehen und fühlen können würde mir gerade enorm weiterhelfen.

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Montag, 12. September 2016
Kleinfamilie
Die beiden kannten sich fast von Anfang an, aber immer nur kurz gesehen. Abends, wenn H. zu Besuch ist und sie vom Papa gebracht wird zwischen Abendessen und Zubettgehen oder auch mal kurz morgens zum Frühstück. Sympathie auf beiden Seiten, er durfte sofort Vorlesen und wurde auf seine Klettertauglichkeit getestet; bei Müdigkeit ihrer- und meinerseits wurden sofort bereitwillig auch seine Schultern als Tragegestell akzeptiert.
Jetzt waren wir das erstemal ein Wochenende bei ihm und es war recht herausfordernd. Ich war PMS-gestört unausgeglichen, das kleine Mädchen ebenfalls leicht reizbar und quengelig wegen zuwenig Schlaf (viel zu spannend alles, um in einer fremden Wohnung zur normalen Zeit ins Bett zu gehen) und für H. war es das erste "Familienwochenende" seit der Trennung von Frau und Kindern. Es gab also mehrere Konflikte zwischen mir und dem kleinen Mädchen und dann zwischen mir und H.
War gut. Zum einen, um zu spüren, dass wir Konflikte austragen können, ohne verletzend zu werden und ohne dass einer von uns beiden die Beziehung in Frage stellt. Zum anderen gibt es gerade viel zu klären: Kinder im Elternbett, wie Grenzen setzen, wie sieht seine Rolle aus, wie meine usw.?
Einen Tag sind wir zusammen nach Göttingen gefahren. Er hatte dort ein Seminar, das kleine Mädchen und ich hatten derweil viel Spaß mit Eis, Kirchen- und Museumsbesuch, Vorlesen im Café und sich einfach durch die hübsche Stadt treiben lassen. Seit der Trennung von meinem ersten Exfreund vor ca. 20 Jahren hatte ich die Stadt nicht mehr betreten und nun gemerkt, ich mag sie immernoch. Dann noch lange auf einem Friedhof zu dritt ein Grab gesucht und nicht gefunden und wieder in seinem Gartenhäuschen angekommen ein Feuer gemacht.
Gestern haben wir nahezu komplett im Schwimmbad verbracht: Pommes und Eis, neue Schwimmflügel, Wasserrutsche und Sonnenbrand, geschlafen und viel gelacht. Jetzt traut sich das kleine Mädchen mit ihren Schwimmflügeln auch ins tiefere Wasser und rutscht alleine von der Wasserrutsche, trotz wilder Jungs, die mit kleinen Mädchen aber auch ausgesprochen rücksichtsvoll umgehen können.
Wenn alle Wünsche in Erfüllung gehen, wird aus der Klein- dann auch hoffentlich recht bald wieder eine Großfamilie.

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Mittwoch, 7. September 2016
Projektende
Abschlusssitzung des Forschungsprojekts. Ich sehe ihm etwas ängstlich entgegen, da ich mit meinen Aufgaben längst nicht so weit bin wie erhofft. Vor ein paar Tagen spontan den Projektleiter angerufen, nachdem er mich immer wieder um detaillierte Aufstellungen gebeten und diese nie erhalten hat. Transparenz. Er weiss nun also, dass ich in den letzten Monaten kaum gearbeitet habe, hat sofort kontruktive Lösungsvorschläge, die ich einige Tage später auch annehmen kann. Ich kann wieder freier atmen, wenn ich an diese Sache denke.
Während der Sitzung beschützt er mich. Lächelnd erzählt er, dass wir längst im Gespräch sind und ich kann mein Gesicht wahren. Es muss es nicht tun, ich hatte ihn auch nicht darum gebeten. Nicht nur deswegen ist die Sitzung sehr angenehm. Die einzig noch verbleibende Doktorandin begeht einen Anfängerfehler nach dem anderen, aber es ist nicht meine Mitarbeiterin, ich bin nicht für sie zuständig. Ich habe noch die eindringlichen und strengen Worte einer Professorin damals an mich und andere junge Doktorandinnen im Ohr: "Backt nie einen Kuchen für eine Besprechung oder ähnliches! Egal ob ihr es gut könnt oder gerne macht, tut es nicht!" So einen Rat hätte unsere Doktorandin auch brauchen können, obwohl er verdaammt lecker war, der Schokoladenkuchen. Auch dass man unter keinen Umständen seinen jungen Hund, der noch nicht alleine bleiben kann, mitbringt und sei er noch so süß. Dann noch sich verantwortlich gefühlt, wo es in die Leitungseben gehörte und die Kleidung, nun ja, nicht ganz angemessen.
Nach der Sitzung fragt mich der Museumsdirektor, ob es bei meiner Habilschrift immernoch um das besagte Thema ginge und dass er es ganz wertvoll und spannend fände. Mittlerweile fällt es mir leicht darauf zu antworten, dass ich diese Schrift schon vor vielen Monaten an den Nagel ghängt habe und sein Bedauern, falls ich mich ganz aus der Forschung zurückziehen werde, klang aufrichtig und tat gut. Er erzählt von seiner mit zwei Jahren adoptierten Tochter und wie schwer die Anfangszweit für ihn und seine Frau war.
Dann loben wir uns zum Abschluss alle gegenseitig, zu Recht, es war wirklich ein tolles Projekt! Wie viel man doch auf die Beine stellen kann ohne Konkurrenz, Platzhirsche und Kleinkriege! Wenn dies mein Abschied aus der Forschung sein sollte, in einigen Monaten noch durch unsere Publikation veredelt, dann war es ein gutes Ende.

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Samstag, 3. September 2016
Kindergartenkind


Die erste Woche Kindergarten ist geschafft. Ich gehe also jetzt in den Kindergarten. Mit dem kleinen Mädchen natürlich und auch bald nur noch sie. Am Vorabend des ersten Tages konnte sie vor Aufregung nicht einschlafen, wir mussten immer wieder besprechen, was sie dort alles spielen kann. Die Räume und die Kindergärtnerinnen kannte sie schon, zwei Kinder aus ihrer Tagesmuttergruppe würden ebenfalls dort sein.
Angekommen wurde uns zunächst die Garderobe gezeigt, wo ihre Schuhe, Regensachen und Wechselkleidung aufbewahrt wird. Ihr Bild zum Wiedererkennen zeigt einen Vogel an einem Nest mit Jungen. Besonders angetan war das kleine Mädchen von den kleinen Toiletten und dass über ihrem Handtusch dasselbe Vogelbild war - Händewaschen war fortan kein Thema mehr. Von der kleinen Toilette marschiert sie sichtlich stolz zu den kleinen Waschbecken und dann mit in den Nacken gelegten Kopf an der Handtuchreihe entlang zu ihrem Vögelchen.
Ich bin mir absolut sicher für meine Kleine den richtigen Kindergarten ausgewählt zu haben. Die beiden Erzieherinnen machen ihre Arbeit liebevoll, gutgelaunt, immer den Kindern zugewandt, können trösten, Grenzen setzen und sowohl die Kleinen als auch die Großen berücksichtigen. Und sie lassen die Kinder einfach spielen, Teil der Philosophie der Einrichtung, was mir wichtiger ist also ständige Anleitung und Bevormundung, die sich dann Förderung nennt. Mein kleines Mädchen fasst mit jedem Tag mehr Vetrauen zu den beiden und als wir einen toten Vogel auf dem Gelände gefunden hatten, musste sie ihn unbedingt zuerst der einen Kindergärtnerin zeigen, bevor er weggebracht werden durfte. Neue Regeln für sie, wie etwa dass draussen die Schuhe anbehalten werden sollen, werden von der passionierten Barfussläuferin sofort akzeotiert, wenn sie von einer Kindergärtnerin ausgesprochen werden.
Mittags ist das kleine Mädchen erschöpft, will aber nicht gehen und es flossen jeden Tag Tränen. Ab nächster Woche wird auch der verrückte Radfahrer mitgehen. Ich musste ihn erst davon überzeugen, er wollte lieber arbeiten oder einen Radausflug machen. Mir ist es aber wichtig, dass er dort die Abläufe und Menschen kennt und die Kindergärtnerinnen möchten ihn auch gerne besser kennenlernen. Dass sie ihn offensichtlich ganz gut nach der kurzen Begegnung beim offenen Nachmittag für alle neuen und alten Kinder vor den Sommerferien einschätzen konnten, interpretiere ich in die Bitte an ihn, die ich überbringen sollte, er möge bei der Eingewöhnung doch bitte sein Baby nicht mitbringen.
Schade nur, dass ich dann so vieles nicht mehr mitbekomme: die zaghafte Kontakaufnahme zu den anderen Kindern, die Freude darüber, wenn jemand mit ihr spielen will, das Einfinden in die kleinen Rituale beim Essen, Geburtstagsfeiern und dann den Jahreskreisfeiern usw.

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Dienstag, 30. August 2016
Schwimmer
Diese Angst davor, dass einfach alles gut sein könnte! Gestern noch eine kurze Nachricht, ob wir nochmal telefonieren wollen, sobald das kleine Mädchen eingeschlafen ist. Sofort wieder der Kloß im Hals, als H. am Telefon erzählt, dass er gerade mit der Frau telefoniert habe. Was er dann berichtet, hatte ich nicht erwartet: Er habe ihr mitgeteilt, dass er sie nicht wieder treffen möchte, dass er sich für mich entschieden habe, dass er mit mir eine Partnerschaft führen möchte.

Obwohl ich saumüde war, morgens um 6 noch in der Badewanne gelegen nach einer Nacht, in der auch nicht viel geschlafen wurde, konnte ich die halbe Nacht nicht schlafen. Übelkeit und Herzklopfen. Weil einfach alles gut ist? Kann doch nicht sein. Nicht bei mir.

Das erste Treffen im Kletterwald. Aus Versehen zunächst die zweitschwerste Tour gewählt und ich wäre beinahe an der ersten Übung gescheitert. Er ließ mich machen, wieder und wieder versuchen so hoch oben von einem schwankenden Brett aufs nächste zu springen. Kurz bevor ich aufgeben wollte, es mit zählen, von 10 rückwärts, versucht und geschafft. Dann hat er mir einfach gegen meine zitternden Knie wortlos die Hand gereicht. Bienen besichtigt, spazieren gegangen, zusammen gekocht und dann einfach geblieben. Spontan fünf Tage verreist, uns durch Holland gefressen, in einem Gartenhäuschen ohne Strom und Wasser geschlafen, eins seiner Kinder kennen gelernt und damit die ganze schlimme Geschichte gespührt.
In seinem Minihäuschen mit Sauna nachts eine schwere Krise gehabt, nur noch auf den Mut gewartet, einfach zu gehen und doch geblieben. Zwiegespräche fast jeden Tag den wir uns gesehen haben. Die zweite Krise während meiner Reise und ohne Auflademöglichkeit für mein Handy. Auf einem geliehenen eine inständige Bitte versendet, der nicht entsprochen wurde. Dann das Gespräch, immer wieder mit unterbrochenem Empfang und meinem Unvermögen auf seine Frage, ob wir uns wiedersehen, antworten zu können, obwohl ich die Antwort längst wusste. Erst als er sagte, er würde so oder so nach meiner Rückkehr vor meiner Haustür stehen, ich müsse ihn ja nicht reinlassen, konnte ich fragen, ob er mich denn auch, wie versprochen, vom Bahnhof abholen würde.
Und jetzt soll dieser Mensch, der das Wasser zum Leben wie andere die Luft zum atmen braucht, der leidenschaftlich gerne tanzt, der für sich die Verantwortung übernehmen kann, anstatt sich nur als Opfer der Umstände zu betrachten, der schwere Schicksalsschläge in inneres Wachstum verwandelt, der Sex nicht nur als Selbstbefriedigung mithilfe eines anderes Körpers begreift, der gerade soviele Dinge in mein Leben bringt, die ich schon immer mal... jetzt soll also dieser Mensch mein neuer Partner sein?
Ja.

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Mittwoch, 29. Juni 2016
Die Königin ist tot, lang lebe die Königin!
Das Häuflein klein Bienen, das nach der ganzen Aktion übrig geblieben war, schlug ich vorgestern Abend erneut in die Bienenkiste ein. Sie hatten mir die halbe Transportbox mit Waben vollgebaut (wie bekomme ich das wieder sauber, die ist doch nur geliehen?!), ich war also eigentlich guten Mutes, dass sie nun ihre Bautätigkeit auch weiter fortsetzen würden.



Aber dann passierte nix, sie hingen nur unmotiviert in einer Ecke und es sah garnicht nach einem gesunden, emsigen, durch das ganze Hin und Her halt stark dezimierte Bienenvolk aus. Ich vermute, die Königin hat es nicht überlebt, obwohl ich nirgends eine tote Großbiene gesehen habe, oder der Minischwarm hat sich erneut davongemacht. Abends flogen nur noch ein paar träge Bienchen um die Kiste, innen sah es ähnlich aus: kein summende Traube hing an der Decke!

Traurig, wegen meiner Fehler aus Unerfahrenheit ein Bienenvolk auf dem Gewissen zu haben und auch mutlos, jetzt noch einen Naturschwarm zu bekommen, registrierte ich mich zwar erneut in meinem Bienennetzwerk als interessiert an einem Schwarm, hatte aber eigentlich keine Hoffnung mehr. Ob ich einen neuen Kunstschwarm kaufen sollte, wollte ich erstmal eine Nacht überschlafen. Ich brachte also das kleine Mädchen ins Bett und während ich ihr ein Buch vorlas, klingelte das Telefon. Normalerweise gehe ich nicht dran, wenn ich die Kleine ins Bett bringe, aber aus irgendeinem Grund tat ich es diesmal doch: Nur eine halbe Stunde nach der Registrierung wurde mir ein sehr großer (so hieß es) Naturschwarm angeboten, gerade eingefangen, allerdings 240 km weit weg. Ich mach das natürlich und hole morgen oder spätestens am Samstag mein neues Volk, Wunder darf man nicht ausschlagen!

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Montag, 27. Juni 2016
Imkerin
Weil mir dann doch kein natürlicher Bienenschwarm angeboten wurde, kaufte ich halt einen Kunstschwarm. Der Imker hatte alles gut vorbereitet, die Bienen waren in einer Transportbox, die er mir leihen wollte, mitsamt der Königin in eigenem Käfig und Futter für mehrere Tage untergebracht. Mindestens zwei Tage Kellerhaft sollten sie dann bekommen. Abends habe ich sie dann erfolgreich einlogiert. Ich wollte sie einlaufen lassen und das gelang auch recht gut, wenn sich auch nicht der gesamte Schwarm in einer Prozession in Bewegung setzte, sondern die Tierchen einzeln oder in kleinen Grüppchen das Tuch hochmarschierten. Aber es war ja auch nicht die übliche Situation, weil ich die Königin in ihrem Käfig separat in die Kiste gesetzt hatte, während sie bei einem natürlichem Schwarm inmitten der Schwarmtraube geblieben wäre.



Da alles viel viel länger brauchte, als gedacht, und ich vor der Dunkelheit meine Siebensachen wieder eingesammelt haben wollte, schaufelte ich die letzten trödelnden Bienen mit einem Löffel direkt vor das Flugloch. Von dort marschierten sie dann auch schnell in ihr neues Zuhause.



Der ganze Vorgang wurde leider überschattet von A.s mieser Stimmung, an der ich nicht unbeteiligt war. Nachmittags schon hat sie mich mehrmals, tauchte ich nur im Garten auf, wegen aller möglichen Sachen angemacht. Ich hatte eigentlich ständig ihre vorwurfsvolle und empörte Stimme im Ohr. Als ich dann, nachdem die Kleine eingeschlafen war, loslegen wollte - der Vermieter hatte mir Fotodokumentation und Unterstützung versprochen - stand sie auf einmal mit selbstverständlicher Freundlichkeit auch dabei und tat, als ob vorher nichts gewesen war. Während ich das benötigte Material zum Standort brachte, sagte ich ihr, dass ich sie aufgrund ihrer Unfreundlichkeit eigentlich nicht dabeihaben wollte. Daraufhin schloss sie mir das Gartentürchen ausgerechnet dann direkt vor der Nase, als ich mit der schweren und unhandlichen Bienentransportbox kam.
Soll sie machen. Und auch ihr Gekeife, als ich gegen 22:30 Uhr die letzten Sachen wegräumte, ist zwar einerseits verständlich, andererseits aber auch dumm. Nur dass sie nicht mehr mit dem kleinen Mädchen spricht, nehme ich ihr wirklich übel.

Dankbar war ich ihr aber, als ich zwei Tage später völlig aufgelöst bei ihr klingelte, und sie bat, sofort den Vermieter zu mir rüberzuschicken. Machte Sie, ich rannte wieder rüber, um erneut das Bienenmaterial zusammenzusuchen. Eigentlich wollte ich nur mal kurz gucken, was die Tierchen so machten und stand dann völlig fassungslos vor dem verwaisten Bienenstock. Alle ausgeflogen. Die Nachbarin winkte fröhlich von ihrem Balkon und rief herüber, was denn die Bienen machten. Dass man mir meine Tränen anhören konnte, war mir in dem Moment egal, als ich zurückrief, sie seien alle weg.
Nch kurzer Suche entdeckte ich sie in einem nahen Baum, ausgerechnet ein dichter Weißdorn mit Brombeeren darunter, dafür aber nicht sonderlich hoch. Eben als ich sie entdeckt hatte, ließ ich den Vermieter holen, der mir mit Leiter, Astschere und Beruhigung aushielf.



Also nochmal Kellerhaft, nochmehr Zeit verloren und dazu noch eine ganze Menge Bienen.

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Samstag, 11. Juni 2016
Serbe und Kater weg
Nach drei Monaten Arbeit beim Vermieter wird nun der Serbe wieder in seine Heimat und zu seiner Familie fahren. Er wird mir fehlen hier, wir haben uns gut verstanden. Zum Abschied hatte ich ihn für heute Abend zum Essen eingeladen: Spargel mit Ofenkartoffeln, Grauburgunder und meinen ersten Holunderblütensirup, zum Abschluss Rhabarbercrumble. Den Vermieter hatte ich auch mit eingeladen, nicht aber seine Freundin, das geht gerde so garnicht mit uns. Er wollte sehr gerne kommen, schlimmer kann es nicht mehr werden, meinte er und spielte damit auf die heftigen Streitereien in den letzten drei Tagen an. Es kam schlimmer und kurz vor der verabredeten Uhrzeit tauchte er bei mir auf, um sich abzumelden. A. hatte angedroht, sich vor meiner Haustür hinzustellen und so lange zu schreien, bis er wieder herauskäme. Mit dem Baby auf dem Arm.
Ich wusste erstmal nicht, ob ich heulen oder wütend sein sollte, und rief dann kurzentschlossen beim verrückten Radfahrer an und lud ihn und seine Freundin zum Essen ein, einzige Bedingung, sofort erscheinen!
Sie kamen und wir hatten einen sehr netten Abend. Zwischenrein rief nochmal der Vermieter an und war ob meiner Fröhlichkeit ganz erleichtert. Er hat in der Situation richtig gehandelt und sein Kind erstmal geschützt. Dem Serben gab ich den Rest Crumble für ihn und meinetwegen aucb für A. mit.

Die Katzentreppe sollte vom Kater gestern ausprobiert werden, befand ich, er betrat sie und konnte sich noch mit einem Satz wieder nach oben retten. Ich musste ihm recht geben, sie war wirklich zu steil und rutschig für das Tier. Zur Haustür wollte er dann aber doch nicht raus, da war aber auch viel Lärm. Heute war es ruhiger und er bekundete starkes Interesse an Reviererkundigung. Also ließ ich ihn kurzentschlossen heraus. Das Treppenhaus wurde inspiziert, dann der Garten, wir liefen viel zusammen hin und her und er maunzte mich dabei zufrieden an. Er fing an zu markieren, dann sprang er über den Bach und lief in den Nachbargarten. Seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen. Auch sämtliche Nachbarn nicht, denen ich einige Stunden später auf der Suche nach Mimmo begegnete. Immerhin wissen nun alle, der Braungetigerte mit der kahlen Stelle auf dem Rücken gehört zu mir. Die Kellertür bleibt nun erstmal offen und entweder taucht er wieder auf oder findet einen anderen netten Menschen. Sorgen machen muss man sich um ihn nicht, aber ich vermisse ihn trotzem.

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Montag, 6. Juni 2016
Fensterln
Der Vermieter wollte mir eine Katzentreppe von meinem Schlafzimmerfenster (geht bis auf dem Boden) bis zur Terasse der Schwiegermutter bauen. A. kündigte an, mithelfen zu wollen (sie muss ihn ja schließlich kontrollieren, kann aber keinen Bohrer halten). Ich stieg in den Zickenkrieg mit ein, indem ich ihm mitteilte, dass die beiden sich gerne eine eigene Katzentreppe bauen könnten, ich käme auch ohne aus.
Schließlich bauten wir und A. sass mit beleidigter Miene daneben und gab Kommentare ab, wie, wenn er nichts wichtiges zu tun habe, könne er ja auch ihr helfen. Sie wurde schließlich entnervt von ihm weggeschickt.
Leiter ans Haus gelegt, ich oben am Fesnter, er kletterte herauf. Ich musste unbeteiligt gucken, weil zu der Zeit A. und der Serbe noch unten standen. Sein Blick sprach dagegen Bände. Wir schrauben so, er auf der Leiter - ich von innen, die Treppe fest, bauen dafür einen Übergang und unterhalten uns leise gegen das Bohrergeräusch miteinander. Zusammen Bauen können wir und wie jedesmal bewundere ich seine Kreativität dabei und seine Fertigkeit. Um die Leiter zu verrücken, stemmt er sich kurz mit ihr gegen die Hauswand ab und springt so einige Zentimeter weiter.
Ist schön geworden, die Treppe, Mimmo wird sie aber erst in ein paar Tagen einweihen dürfen, da er noch in der Ich-gewöhne-mich-an-neues-Heim-Phase ist. Sagt mir aber täglich mehrmals, dass er jetzt gerne draußen sein neues Revier erkundigen möchte.
Dann befülle ich weiter das Plantschbecken und der Vermieter baut in der Wohnung über mir.
Als er mich das nächstemal an der Wohnungstür hört und der Serbe gerade unterwegs ist, ruft er mich nach oben und wir küssen uns seit einer Ewigkeit wieder. Die aufgeheizte Stimmung zwischen uns ließ uns ganz selbstverständlich unsere Abmachung brechen. Dann wieder eine halb schlaflose Nacht.

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