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Donnerstag, 9. Oktober 2014
Erzählung
berenike, 11:33h
Das kleine Mädchen kann zwar nur Ein-Wort-Sätze, aber trotzdem schon komplexe Erzählungen. Als ich nach Hause komme, rennt sie mir entgegen, ruft aufgeregt "Wasser, Wasser!", greift sich an den Kopf und trampelt auf den Boden.
Erraten Sie, was sie schönes erlebt hat?
Erraten Sie, was sie schönes erlebt hat?
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Montag, 6. Oktober 2014
Finnin
berenike, 18:38h
Die alte Finnin kommt als Bittstellerin und ich bleibe kurz angebunden, lächel kaum und sage die ganze Zeit in Gedanken zu ihr "Bitte geh wieder, geh jetzt!" Mit Mühe und Not und viel gutem Willen seitens der Betreuung hat sie damals vor vielen Jahren ihren Magister gemacht. Seitdem trägt sie sich mit den Gedanken, vielleicht doch noch zu promovieren, möchte mit mir bei jeder Gelegenheit darüber reden und versucht, ein Hilfsversprechen einzuheimsen. Es liegt nicht nur an der Sprache, es liegt an ganz anderen mangelnden Fähigkeiten. Aber sag das mal jemanden. Nun hat sie einen Aufsatz geschrieben und zunächst vertrauensvoll ihrem Magisterbetreuer vorgelegt, meinem Forschungsprojektleiter, der sie einfach an mich weiterverweisen hat. Die ersten vier Versionen habe ich ohne Korrekturen zurück geschickt, weil das einfach kein Text war. Oder meistens hatte ich es auch nur vor, dann fehlten mir die richtigen Worte und es blieb liegen, bis wir uns wieder über den Weg liefen. Ich sagte ihr mal, dass sie sich jemanden zum Überarbeiten suchen müsse, mal, dass noch Einleitung und andere Basics fehlten, immer mit der feigen Hoffnung verbunden, die Sache würde sich irgendwann ohne mein Zutun von selbst erledigen. Sie nickt jedesmal ergeben und unterwürfig, wird noch kleiner und grauer und tut mir dann umso mehr leid. Klar ist, auch wenn ich den Text sprachlich und stilistisch zurechtrücke, wird er niemals irgendwo angenommen werden. Sie wird auf diese Weise ihre prekäre finanzielle Situation nicht ändern können und eigentlich halte ich ihre Hoffnungen nur weiter in der Schwebe.
Ich finde, es wäre Sache ihres ehemaligen Betreuers gewesen, ihr diesen Zahn sofort zu ziehen, anstatt sie an eine weitere Expertin zu verweisen.
Ich finde, es wäre Sache ihres ehemaligen Betreuers gewesen, ihr diesen Zahn sofort zu ziehen, anstatt sie an eine weitere Expertin zu verweisen.
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Mittwoch, 1. Oktober 2014
Magendarmdings
berenike, 14:20h
Gegen 23 Uhr will ich ins Bett. Das kleine Mädchen liegt dort schon lange friedlich schlafen, rührt sich etwas, ich murmel Beruhigendes und streichel übers Köpfchen. Kind kotzt. Der verrückte Radfahrer wird zum Bettneubeziehen gerufen, ich wechsel zweimal Schlafsäcke und wir legen uns wieder hin. Gegen halb eins rufe ich meine Mutter an, unerschöpfliche Ratgeberin in allen Kinderkrankheitsfragen, sie hat das ja siebenmal durch, sie sagt: sofort Notaufnahme, nachdem ich hier die Lage geschildert habe. Ich verwerfe das und schaffe es weiterhin ca. alle 15 Minuten rechtzeitig das Licht anzumachen und das Köpfchen über eine Schüssel zu halten. Der Radfahrer leert sie und ich flöße weiterhin, wie geheißen, Zuckerwasser und Salz ein. Teelöffelweise. Um 2 Uhr gebe ich die Parole aus, dass wir um 3 Uhr den Kinderarzt anrufen, eine halbe Stunde später schlafen wir alle endgültig ein und bis 8 Uhr durch. Am nächsten Morgen wird nur noch das Morgenstillen ausgespuck und nachmittags nochmal der Versuch, ein wenig zu essen (die Kleine wollte Rosinen). Paralell liefs auch unten raus. Soweit alles gut und die Waschmaschine hat auch ihren Beitrag geleistet. Danach kam ich dran, jetzt der Radfahrer.
Aber lustig war, wie das kleine Mädchen immer kurz überlegend den Kopf übers Schüsselchen hielt, wenn ich sie fragte, ob sie spucken müsste, und dann kurz und ernsthaft den Kopf schüttelte. Und auch, als ich dann über der Kloschüssel hing, während sie mit Bilderbüchern im Wohnzimmer saß, ungerührt meine Geräusche nachahmte.
Aber lustig war, wie das kleine Mädchen immer kurz überlegend den Kopf übers Schüsselchen hielt, wenn ich sie fragte, ob sie spucken müsste, und dann kurz und ernsthaft den Kopf schüttelte. Und auch, als ich dann über der Kloschüssel hing, während sie mit Bilderbüchern im Wohnzimmer saß, ungerührt meine Geräusche nachahmte.
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Freitag, 26. September 2014
Ungeschrieben Briefe
berenike, 18:46h
Liebe unfähige Mitarbeiterin,
ich bin gespannt, wie Sie nun reagieren. Meine Korrekturvorschläge haben Sie immer ignoriert, meine Ermahnungen, auch die ältere Forschungsliteratur einzuarbeiten, ebenso. Jetzt habe ich über das Thema den Vortrag gehalten. Sie haben ihn ja auch gehört. Sie haben bestimmt mitbekommen, dass meine neuen Thesen gut ankamen. Für die Vorbereitung konnte ich leider Ihre Zuarbeiten nicht verwenden, weil unbrauchbar. Haben Sie nun verstanden, warum ich so sehr darauf bestehe, auch die alte Forschungsliteratur einzuarbeiten? Weil ich den größten Teil meiner Informationen aus Aufsätzen von angeblich völlig überholten Beiträgen genommen habe, die als Archivare der ganz alten Schule einfach eine unglaubliche Kenntnis und Sammelwut hatten!
Und, ich warne Sie noch in aller Kollegialität, wagen Sie es nicht in Ihrem geplanten Beitrag meine Ergebnisse als die Ihren herauszugeben, so wie Sie es schon seit eineinhalb Jahren immer wieder mit den Verbesserungen der jetzt mal wirklich akribisch arbeitenden Kollegin versuchen.
Ich werde nämlich ihren neuen Überarbeitungsversuch nur noch nach Formalia korrigieren und dann gehen Sie doch bitte gerne unter mit ihrem Copy+paste-husch-husch.
ich bin gespannt, wie Sie nun reagieren. Meine Korrekturvorschläge haben Sie immer ignoriert, meine Ermahnungen, auch die ältere Forschungsliteratur einzuarbeiten, ebenso. Jetzt habe ich über das Thema den Vortrag gehalten. Sie haben ihn ja auch gehört. Sie haben bestimmt mitbekommen, dass meine neuen Thesen gut ankamen. Für die Vorbereitung konnte ich leider Ihre Zuarbeiten nicht verwenden, weil unbrauchbar. Haben Sie nun verstanden, warum ich so sehr darauf bestehe, auch die alte Forschungsliteratur einzuarbeiten? Weil ich den größten Teil meiner Informationen aus Aufsätzen von angeblich völlig überholten Beiträgen genommen habe, die als Archivare der ganz alten Schule einfach eine unglaubliche Kenntnis und Sammelwut hatten!
Und, ich warne Sie noch in aller Kollegialität, wagen Sie es nicht in Ihrem geplanten Beitrag meine Ergebnisse als die Ihren herauszugeben, so wie Sie es schon seit eineinhalb Jahren immer wieder mit den Verbesserungen der jetzt mal wirklich akribisch arbeitenden Kollegin versuchen.
Ich werde nämlich ihren neuen Überarbeitungsversuch nur noch nach Formalia korrigieren und dann gehen Sie doch bitte gerne unter mit ihrem Copy+paste-husch-husch.
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Dienstag, 16. September 2014
Anziehung
berenike, 15:34h
Ich komme etwas zu spät zur Veranstaltung. Vorher wolle der Pfarrer nach dem Gottesdienst noch etwas mit mir besprechen. Es ist der, von dem ich mal glaubte, er habe sich in mich verguckt. Mittlerweile sind wir locker befreundet und zwischen uns herrscht eine wortlose Vertrautheit, die ich als sehr angenehm empfinde. Wären wir beide nicht gebunden, würde sich dieses kleine Pflänzchen auch weiter ausbauen lassen, so schlummert es friedlich und stört niemanden. Aber nahe zusammen vorne zu sitzen und mit Mühe das Kichern zu unterdrücken, weil der Vertretungsorganist alles durcheinanderbringt, sich mit kleinen Zeichen zu den richtigen Einsätzen dirigieren zu lassen, ist schön zum Genießen und dabei zu wissen, daß zu Hause der verrückte Radfahrer bei aller Ferne immer noch ganz feste zu mir gehört.
Ich drängel mich mit ein paar anderen Leuten gleichzeitig in den schon überfüllten Raum. Von einer großen Kirche in eine kleinere Kapelle, aber das nur zufällig. Mein großes Vorbild und meiner Ansicht nach höchstes Tier der Stadt, aber das werden viele anders sehen, trägt schon vor, wie gewohnt humorvoll immer die richtigen Worte findend. Ich mag sie einfach und bewundere vieles an ihr - einige Stunden später wird die gelegentliche Mittagsbegleitung allerdings wieder nur böse Worte über sie finden. Jede Menge bekannte Gesichter, man nickt, lächelt grüßend, ohne den Ablauf zu stören. Da keine Sitzplätze mehr frei sind, stehe ich recht zentral, direkt vorm Altar. Ich bin Protestantin, ich darf mich da sogar anlehnen. Die erste Ansprache wird durch andere Grußworte und Musikeinlagen abgewechselt und die große Frau geht wieder zur Seite, wo die anderen Honoratioren der Stadt warten. Auch sie nickt mir zu und der neben ihr stehende Mann wird so auf mich aufmerksam. Guckt dann immer wieder verstohlen. Während der Veranstaltung, während des Rundgangs anschließend während des Imbisses. Er sieht schweinegut aus und gehört ganz offensichtlich zu den Alphatierchen der Stadt. Menschen, die lässig unaufgeregt und gekonnt mit Machtpositionen umgehen, beeindrucken mich gerade besonders und ich studiere viel deren Auftreten, um selber besser aus meinem eigenen Schatten treten zu können, die Zeit dafür ist einfach reif. Bei den Blicken macht sich ein leichtes warmes Kribbeln im Bauch bemerkbar und ich genieße auch hier die männliche Aufmerksamkeit. Sich wieder als Frau fühlen.
Irgendwann gehe ich. Ich brauche keinen letzten Blick, kein Möglichkeiteneröffnen für ein Gespräch. Es ist alles gut so. Ich gehe zurück zum verrückten Radfahrer, wir sind noch bei Freunden zum Grillen verabredet.
Ich drängel mich mit ein paar anderen Leuten gleichzeitig in den schon überfüllten Raum. Von einer großen Kirche in eine kleinere Kapelle, aber das nur zufällig. Mein großes Vorbild und meiner Ansicht nach höchstes Tier der Stadt, aber das werden viele anders sehen, trägt schon vor, wie gewohnt humorvoll immer die richtigen Worte findend. Ich mag sie einfach und bewundere vieles an ihr - einige Stunden später wird die gelegentliche Mittagsbegleitung allerdings wieder nur böse Worte über sie finden. Jede Menge bekannte Gesichter, man nickt, lächelt grüßend, ohne den Ablauf zu stören. Da keine Sitzplätze mehr frei sind, stehe ich recht zentral, direkt vorm Altar. Ich bin Protestantin, ich darf mich da sogar anlehnen. Die erste Ansprache wird durch andere Grußworte und Musikeinlagen abgewechselt und die große Frau geht wieder zur Seite, wo die anderen Honoratioren der Stadt warten. Auch sie nickt mir zu und der neben ihr stehende Mann wird so auf mich aufmerksam. Guckt dann immer wieder verstohlen. Während der Veranstaltung, während des Rundgangs anschließend während des Imbisses. Er sieht schweinegut aus und gehört ganz offensichtlich zu den Alphatierchen der Stadt. Menschen, die lässig unaufgeregt und gekonnt mit Machtpositionen umgehen, beeindrucken mich gerade besonders und ich studiere viel deren Auftreten, um selber besser aus meinem eigenen Schatten treten zu können, die Zeit dafür ist einfach reif. Bei den Blicken macht sich ein leichtes warmes Kribbeln im Bauch bemerkbar und ich genieße auch hier die männliche Aufmerksamkeit. Sich wieder als Frau fühlen.
Irgendwann gehe ich. Ich brauche keinen letzten Blick, kein Möglichkeiteneröffnen für ein Gespräch. Es ist alles gut so. Ich gehe zurück zum verrückten Radfahrer, wir sind noch bei Freunden zum Grillen verabredet.
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Freitag, 1. August 2014
Zwischen Boden- und Ostsee
berenike, 20:23h
Man muss das Kind langsam an größere Gewässer als das Plantschbecken heranführen. Wir haben also eine Woche Bodensee hinter uns und dabei selten so gesund gelebt: praktisch ausschließlich von dem, was uns auf Ausflügen so in den Mund wuchs oder von Bauern in Kisten auf ihren Höfen angeboten wurde: Brombeeren, Mirabellen, Aprikosen, letzte Kirschen und erste Äpfel.
Das kleine Mädchen war erst skeptisch, ob man in so einem großen Wasser auch gefahrlos Baden kann und begnügte sich erst mit Kieselsteinchenaufhäufen. Am nächsten Tag lief sie schon vergnügt in Zickzacklinien am Ufer entlang: immer ein paar Schrittchen ins Wasser, ein paar wieder aus. Außerdem wollte sie Schwäne streicheln.
Zum Glück hatten wir auch Regen und so einiges von Feuchtmayer Ausgestattetes angesehen und das schöne Überlingen.
Am Montag gehts dann weiter zur Ostsee. War ich noch nie. Einerseits freu ich mich drauf, andererseits bin ich gerade so sehr mittem im Aufsatz (der heute fertig sein müsste), dass ich mich nur schwer losreißen kann.
Das kleine Mädchen war erst skeptisch, ob man in so einem großen Wasser auch gefahrlos Baden kann und begnügte sich erst mit Kieselsteinchenaufhäufen. Am nächsten Tag lief sie schon vergnügt in Zickzacklinien am Ufer entlang: immer ein paar Schrittchen ins Wasser, ein paar wieder aus. Außerdem wollte sie Schwäne streicheln.
Zum Glück hatten wir auch Regen und so einiges von Feuchtmayer Ausgestattetes angesehen und das schöne Überlingen.
Am Montag gehts dann weiter zur Ostsee. War ich noch nie. Einerseits freu ich mich drauf, andererseits bin ich gerade so sehr mittem im Aufsatz (der heute fertig sein müsste), dass ich mich nur schwer losreißen kann.
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Search request: schwiegermutter tragetuch
berenike, 20:15h
Nehmen Sie die Schwiegermutter wieder aus dem Tragetuch (schont auch ihren Rücken) und tun Sie ihr Kind rein.
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Mittwoch, 16. Juli 2014
Schweigen
berenike, 17:05h
Auf die unerträglich persönlich anfeindende Email Emil des Mitarbeiters hin wurde gerade in der eigenen Projektgruppe eine Sitzung vor der Sitzung beschlossen. Also alle Antragsteller (alle drei Professoren, der Institutsdirektor, der Museumsdirektor und ich) haben die erste halbe Stunde für uns zur Klärung des Problems. Die Doktoranden, Hiwis und Sonstigen müssen solange draußen warten, aber das Wetter soll ja schön bleiben.
Mir wäre lieber, die Sitzung wäre jetzt sofort, denn ich finde es gerade außerordentlich schwer, nicht auf die hin und her kursierenden Emails zu antworten und richtigzustellen.
Ich fühle mich im Recht, meine Mitarbeiter vor Ort bestätigen mich, der Projektleiter steht hinter mir, aber ich habe dennoch Angst.
Gestern noch mit J. telefoniert, er ist in diesen Dingen ein guter Ratgeber und der verrückte Radfahrer war ganz froh, mich für diese Stunde an meinen Exfreund abgeben zu dürfen. J. kennt den Unibetrieb und hat selbt genug Projekterfahrung, um mich beruhigen zu können und im weiteren Vorgehen zu beraten.
Die mühsam erarbeitete Ruhe krachte gerade wieder zusammen, als die Email vom Museumsdirektor hereinkam mit 1., 2. und 3. Anschuldigungen gegen mich. Klar, er kennt nur die Version seines Mitarbeiters. Aushalten können und nicht sofort rechtfertigen. Beides nicht leicht, aber lernbar, wie ich gerade feststelle.
Und, da das Kind jetzt schon im Brunnen liegt, kann ich dann auch offen reden über weitere Mißstände die im Hintergrund schwelen.
Freitag, bis dahin Schweigen und weiter Arbeiten.
Mir wäre lieber, die Sitzung wäre jetzt sofort, denn ich finde es gerade außerordentlich schwer, nicht auf die hin und her kursierenden Emails zu antworten und richtigzustellen.
Ich fühle mich im Recht, meine Mitarbeiter vor Ort bestätigen mich, der Projektleiter steht hinter mir, aber ich habe dennoch Angst.
Gestern noch mit J. telefoniert, er ist in diesen Dingen ein guter Ratgeber und der verrückte Radfahrer war ganz froh, mich für diese Stunde an meinen Exfreund abgeben zu dürfen. J. kennt den Unibetrieb und hat selbt genug Projekterfahrung, um mich beruhigen zu können und im weiteren Vorgehen zu beraten.
Die mühsam erarbeitete Ruhe krachte gerade wieder zusammen, als die Email vom Museumsdirektor hereinkam mit 1., 2. und 3. Anschuldigungen gegen mich. Klar, er kennt nur die Version seines Mitarbeiters. Aushalten können und nicht sofort rechtfertigen. Beides nicht leicht, aber lernbar, wie ich gerade feststelle.
Und, da das Kind jetzt schon im Brunnen liegt, kann ich dann auch offen reden über weitere Mißstände die im Hintergrund schwelen.
Freitag, bis dahin Schweigen und weiter Arbeiten.
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Mittwoch, 9. Juli 2014
Lötkolben
berenike, 13:47h
Schreibe gerade Brandmails. Nicht mit dem Flammenwerfer, sondern gezielt mit dem Lötkolben.
Gestern, in Vorbereitung auf die nächste anstehende Sitzung des Gesamtforschungsprojekts, habe ich mal ein paar Zahlen geprüft. Dann bin ich in meinem Büro (meine armen Büromitbewohner) explodiert, habe einen Spaziergang gemacht und mich wieder an meine Arbeit gesetzt. Die Erfahrung lehrte mich, dass ich wütend keine Emails schreiben darf. Die Version nach einer Nacht drüber schlafen ist dann in der Regel so, dass sie auch mal weitergeleitet werden könnte.
Da will mich einer täuschen und das zum wiederholten Mal! Meine erste Reaktion war: auflaufen lassen und erst beim Treffen explodieren und ihn diesmal so richtig vorführen. Aber ich will jetzt nicht zehn Tage lang damit herumlaufen, ich will in Ruhe arbeiten können. Und ich will nächste Woche wichtigere Dinge besprechen können, als zu diskutieren, ob es sinnvoll ist innerhalb des eigenen Forschungsteams Zahlen zu fälschen.
Aber wie er aus der Nummer wieder herauskommen will, die Tischvorlage, die vorab an alle gesendet wurde, wieder zu berichtigen, erwarte ich dann doch mit einer gewissen Häme.
Gestern, in Vorbereitung auf die nächste anstehende Sitzung des Gesamtforschungsprojekts, habe ich mal ein paar Zahlen geprüft. Dann bin ich in meinem Büro (meine armen Büromitbewohner) explodiert, habe einen Spaziergang gemacht und mich wieder an meine Arbeit gesetzt. Die Erfahrung lehrte mich, dass ich wütend keine Emails schreiben darf. Die Version nach einer Nacht drüber schlafen ist dann in der Regel so, dass sie auch mal weitergeleitet werden könnte.
Da will mich einer täuschen und das zum wiederholten Mal! Meine erste Reaktion war: auflaufen lassen und erst beim Treffen explodieren und ihn diesmal so richtig vorführen. Aber ich will jetzt nicht zehn Tage lang damit herumlaufen, ich will in Ruhe arbeiten können. Und ich will nächste Woche wichtigere Dinge besprechen können, als zu diskutieren, ob es sinnvoll ist innerhalb des eigenen Forschungsteams Zahlen zu fälschen.
Aber wie er aus der Nummer wieder herauskommen will, die Tischvorlage, die vorab an alle gesendet wurde, wieder zu berichtigen, erwarte ich dann doch mit einer gewissen Häme.
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Freitag, 4. Juli 2014
Ö
berenike, 13:18h
Kurz entschlossen rufe ich einfach an. Es ist zwar einige Jahre her, aber sie erinnert sich sofort an mich und antwortet mir auf meine vorsichtige Frage, ob auf die Stellenausschreibung schon jemand vorgesehen ist, sofort und freudestrahlend, dass nicht und sie und ihre Kollegen schon ganz gespannt darauf sind, wer es denn nun wäre und sie würde sich über meine Bewerbung freuen. Wir reden noch ein wenig hin und her und tauschen Neuigkeiten aus. Wieder aufgelegt bleibe ich etwas enttäuscht zurück. Natürlich darf sie es mir nicht sagen, wenn es jemanden gäbe, aber wenn man sich kennt und schätzt, kann man an der Reaktion schon einiges heraushören. Hätte sie mir etwas anderes signalisiert, könnte ich mich jetzt entspannt zurücklehnen. Noch ca. zwei Jahre einfach forschen dürfen, mein Projekt abschließen, unsere Publikationen auf den Weg bringen. Es läuft doch gerade alles so gut.
Jetzt muss ich weiter überlegen, wie ich den verrückten Radfahrer, der doch so heimatverbunden ist, die Angst davor nehmen kann, ins Ausland, immerhin ins deutschsprachige, zu gehen. Möglicherweise für immer. Jetzt muss ich mir weiterhin gut zureden, dass ich in die Anforderungen einer 'richtigen' Stelle schon reinwachsen werde und dass ich eine unbefristete Stelle auch nicht mit meinem Blut unterschreibe.
Montag erstmal Beratung einholen, ob und wie ich die geforderten mindestens zwei Jahre Erfahrungen in einer Bewerbung deutlich machen kann. Denn das ist der Haken, die habe ich nur marginal.
Jetzt muss ich weiter überlegen, wie ich den verrückten Radfahrer, der doch so heimatverbunden ist, die Angst davor nehmen kann, ins Ausland, immerhin ins deutschsprachige, zu gehen. Möglicherweise für immer. Jetzt muss ich mir weiterhin gut zureden, dass ich in die Anforderungen einer 'richtigen' Stelle schon reinwachsen werde und dass ich eine unbefristete Stelle auch nicht mit meinem Blut unterschreibe.
Montag erstmal Beratung einholen, ob und wie ich die geforderten mindestens zwei Jahre Erfahrungen in einer Bewerbung deutlich machen kann. Denn das ist der Haken, die habe ich nur marginal.
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Mittwoch, 2. Juli 2014
Wunder der Menschheit
berenike, 18:22h
Wochenlang wurde geübt, sowie sie zwei größere Hände schnappen konnte und diese als Lauflernhilfe nachdrücklich einsetzte. Immer, wenn es irgend ging: Laufen an zwei Händen, der andere musste in gebückter Haltung (ich immerhin nicht, hier zahlt sich geringe eigene Körpergröße + großes Kind aus) hinterher und hin und her und Treppen rauf und runter und über Sachen steigen und vielleicht euch mit einer kleinen Fußballeinlage. Hauptsache laufen üben! Gestern dann ohne viel Aufsehen und ohne es eigentlich selbst zu bemerken, vier Schrittchen vom Sofa zum Tisch. Der Aufwand, erst runter, dann krabbeln, dann wieder hochziehen, erschien wohl zu groß. Heute morgen dann, während ich mich fertigmachte, wurde im Wohnzimmer bewußt das Freilaufen geübt. Aufrichten, zwei bis maximal fünf Schritte, hinfallen, aufrichten und wieder los. Dabei strahlte sie über das ganze Gesicht.
Ich konnte das auch mal, mit soviel Freude, Stolz, Zuvertrauen und Beharrlichkeit immer wieder Hinfallen und Aufstehen, einfach weil ich das jetzt lernen wollte und wusste, ich habe jetzt die Kraft und Fähigkeiten dazu. Wenn das ein vierzehn Monate altes kleines Mädchen kann, sollte es doch eine 42 Jahre alte Frau auch noch hinbekommen. Versuchen, es ein klein wenig schaffen, dann ein vorläufiges Scheitern, wieder versuchen und dabei die Freude nicht vergessen!
Ich konnte das auch mal, mit soviel Freude, Stolz, Zuvertrauen und Beharrlichkeit immer wieder Hinfallen und Aufstehen, einfach weil ich das jetzt lernen wollte und wusste, ich habe jetzt die Kraft und Fähigkeiten dazu. Wenn das ein vierzehn Monate altes kleines Mädchen kann, sollte es doch eine 42 Jahre alte Frau auch noch hinbekommen. Versuchen, es ein klein wenig schaffen, dann ein vorläufiges Scheitern, wieder versuchen und dabei die Freude nicht vergessen!
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